DOK LEIPZIG
INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR– UND ANIMATIONSFILM
DOK Leipzig Film Festival

Bruder Jakob


Bruder Jakob


KATALOGTEXT
Jakob hatte sein Gotteserlebnis in den marokkanischen Bergen, als er auf eine englischsprachige Ausgabe des Korans stieß und zum Islam konvertierte. Von diesem Tag an veränderte sich die Beziehung zu Familie, Verwandten und Freunden grundlegend. Insbesondere die zu seinem Bruder, dem Regisseur dieses sehr persönlichen Films über eine Entfremdung. Zwei Jahre lang folgt er der Entwicklung Jakobs, der sich schnell radikalisiert und sich als Salafist sieht. Seine Haltung wird doktrinär. Glaube hieße, nicht zu zweifeln.

Schwer zu ertragen ist dieser Wandel für die Familie. Seine Frau löst mit schwarzer Vollverschleierung eine Auseinandersetzung auf einem Familientreffen aus – einer der aufregendsten Momente, der das Unverständnis gegenüber Jakobs Weg in einer einzigen Chiffre bündelt: dem Schleier. Die Kamera erfasst ihn in Jakobs Reaktion als Mischung aus Verstörung und der Hilflosigkeit eines kleinen Jungen. Doch dann öffnet sich in einer überraschenden Wendung der Geschichte eine Tür und zwischen den Brüdern beginnt ein neuer Dialog. Diese sehr spezielle Beziehung zwischen Regisseur und Protagonist ermöglicht einen seltenen Einblick in die Gedankenwelt eines jungen Mannes, der ernsthaft auf der Suche nach einem spirituellen Halt in dieser Welt ist.

Matthias Heeder


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts
Credits
Originaltitel: Bruder Jakob
Land: Deutschland
Jahr: 2016
Sprache: deutsch
Untertitel: englisch
Laufzeit: 92 min.
Format: DCP
Farbe: Colour
Regie: Elí Roland Sachs
Produktion: Elí Roland Sachs
Kamera: Elí Roland Sachs
Schnitt: Yana Höhnerbach
Musik: Antonio de Luca
Ton: Antonio de Luca
Buch: Elí Roland Sachs
KONTAKT

Share this Film

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautorinnen und -autoren geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig 2017 müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Alle anderen nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind Produktionsmitteilungen.