DOK LEIPZIG
INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR– UND ANIMATIONSFILM
DOK Leipzig Film Festival

Böse Kinder I


Böse Kinder I


KATALOGTEXT
Wie werden aus Kindern Sorgenkinder? Das hängt damit zusammen, dass Gesellschaften ihre eigene Entwicklung zwanghaft zu kontrollieren bemüht sind, und dass dieser Kontrollanspruch selbst Bilder, Texte und Urteile diktiert – mit aller diskursiven Macht. Regeln und Normen müssen respektiert werden, basta! Auch wenn einige Unschuldige auf der Strecke bleiben sollten.

Die Wahrnehmung dieser ungeformten Energien variiert: die didaktisch-moralische, mahnende Staatssorge um die Zukunft des Sozialismus bei Jerzy Hoffman, Edward Skórzewski, Jarosław Brzozowski und Jerzy Bossak. Eine schmerzhafte Bestandsaufnahme zu den Themen familiärer Missbrauch und gesellschaftliche Aussichtslosigkeit bei Marek Piwowski. Die wortlose, stille Beobachtung des Landlebens bei Małgorzata Szumowska. Schließlich die kreativen Bilder, die im Warschauer Armutsbezirk Praga von Kindern über Kinder gedreht wurden, im Film von Grzegorz Pacek.

Irgendwo in diesem Geflecht zwischen pädagogisch gefärbter Beobachtung und filmischer Konstruktion liegt die Seele des bösen Kindes, zwar nicht immer als Garant einer besseren Zukunft, aber doch zumeist als Ort der Freiheit und des Schmerzes. Der Blick auf das Kind und der Blick des Kindes auf sich und sein Umfeld, eingefangen von 1955 bis 2000 – das sind auch künstlerische Vivisektionen der gesellschaftlichen Probleme, und zwar weit über Polen hinaus.

Kornel Miglus

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautorinnen und -autoren geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig 2018 müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Alle anderen nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind Produktionsmitteilungen.