DOK LEIPZIG
INTERNATIONALES LEIPZIGER FESTIVAL FÜR DOKUMENTAR– UND ANIMATIONSFILM
DOK Leipzig Film Festival

Oderland. Fontane


Oderland. Fontane


KATALOGTEXT
Bernhard Sallmanns Filme sind Solitäre. Sie entziehen sich allen Konventionen, Formaten und Einübungen. Man muss sich einlassen. Vom ersten Bild an ist klar: Hier findet ein Kino statt, das andere Tugenden entfaltet als Narration und Entertainment. Das Vergnügen liegt in der Konzentration und Kontemplation. Die zu Stillleben kondensierten Bilder sind streng kadriert und so komponiert, dass sich erst bei längerer Betrachtung eine zarte Bewegung erschließt, mal eine Wolke, mal das Zittern der Blätter. Nach seiner Lausitz-Trilogie hat es den in Berlin lebenden Österreicher einmal mehr nach Brandenburg gezogen: ins Oderbruch, in eine Natur von paradiesischer Schönheit, die trügt. Es ist eine im 18. Jahrhundert von Menschen geschaffene Kulturlandschaft.

In Theodor Fontane fand Sallmann einen Gleichgesinnten. Nur die Werkzeuge sind verschieden. Was er mit der Kamera einfängt, hat der Wanderer und Schriftsteller im vorletzten Jahrhundert mit dem Federkiel aufgezeichnet. Er berichtet von der Trockenlegung, der Ansiedlung der Kolonisten und Albrecht Daniel Thaers Theorie der Fruchtfolge. Wer glaubt, all das läge weit weg, irrt. Übersetzt ins Heutige sind das die globalen Themen der Agrarpolitik: Abwanderung und Monokultur. In der hohen Sprecherkunst Judica Albrechts finden Text und Bild ihre ziselierte Verschmelzung. Sallmanns Film enthält viele Botschaften, auch die: Lest Fontane und lernt sehen!

Cornelia Klauß


Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts
Credits
Originaltitel: Oderland. Fontane
Land: Deutschland
Jahr: 2016
Sprache: deutsch
Untertitel: englisch
Laufzeit: 72 min.
Format: DCP
Farbe: Colour
Regie: Bernhard Sallmann
Produktion: Bernhard Sallmann
Kamera: Bernhard Sallmann
Schnitt: Christoph Krüger
Ton: Klaus Barm
Sprecher: Judica Albrecht
Buch: Bernhard Sallmann
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